Samstag, 26. Mai 2012

Blatt 25.05.2012

Kunst ist eine Zusammenarbeit zwischen Gott und dem Menschen. Je weniger der Mensch dabei tut, desto besser
Andre Gide

Freitag, 25. Mai 2012

Hirnlos, aber mit Köpfchen

Bereits 25 Figuren, die sich in den ersten drei Kapiteln tummeln - jeder soll einen Steckbrief erhalten, mit allem drum und dran. Zwei Titel schon im Album. Wenn ich daran denke, dass wir uns mittlerweile an der "Sandsteinburg IV" erfreuen, kann ich es kaum erwarten, mich durch das Buch zu hören. Ich bin mir noch nicht sicher, wie ich eine - die! - effektiv(st!)e Struktur in das Projekt bringe, bin aber recht zuversichtlich und wenn ich in Zukunft daran denke alle Materialien mitzunehmen - wo ist jetzt dieser vermaledeite Stick? - klappts vielleicht sogar. Ach ja.

Donnerstag, 24. Mai 2012

Uhr ohne Zeiger (im Morgengrau)

Nullfünfhundertdreißig
Verschlafene Laken, wachgeküsst von einem Sonnenstrahl
Stille

Nullfünfhundertvierzig
Den Alptraum noch auf der Haut sitzend
Allein

Nullfünfhundertfünfzig
Kaffee, der nach Rauch schmeckt
eine Zigartette – Arabica
Unwissend

Nullsechshundert
Still
Allein
Unwissend
Unruhe

Nullsechshundertzwanzig
Unruhe geduscht
Ängstliche Sauberkeit
Sorge

Nullsechshundertdreißig
Sorge in Kleidersäcke gehüllt
Unkonzentrierte Kontrolle
Angst

Nullsechshundertfünfundvierzig
Angst auf dem Sofa und überall
Croissantgeruch im Türschloß
Ein spitzbübisches Lachen

Nullsechshundertsechsundvierzig

Ein Stein fällt vom Herzen!

Ein bisschen (zur) Geschichte

Das fängt ja gut an... vielleicht hätte ich nicht nur den Stick mit den Figuren und Schauplätzen einstecken sollen, sondern auch die beiden Kapitel, die ich "sezieren" wollte. Aller Anfang ist schwer. Der Autor hat das Projekt und die Entwicklung dahin bereits vorgestellt, so dass ich munter kommentieren kann. Es wäre nicht richtig, würde ich sagen, dass ich mich geehrt fühle an der Entstehung eines Werkes aktiv teilzuhaben, obwohl ich natürlich fasziniert, begeistert und dankbar dafür bin, dass es gerade passiert. Es muss aber auch so sein, denn ich kann mir leben mit einem Schriftsteller gar nicht anders vorstellen. Wir wären dann nicht richtig, ebenso wie wir falsch wären, wenn meine "Berufung" an der Wohnungstüre abgelegt werden müsste. Ganz oder gar nicht.

Wir sind auf dem besten Weg und hätte uns das jemand vor etwas mehr als zwei Jahren gesagt, hätten wir lautstark zugestimmt, dass es genau so kommen wird, denn wir sind ja Fantasten.
Konkret sah es aber vielleicht einmal anders aus. Womöglich prallten zwei Welten aufeinander. Welten, die die jeweils andere zwar nicht gerade verabscheuten, aber ihr doch eher ablehnend gegenüber standen, da die eine die andere in den Grundfesten zu erschüttern drohte. Vielleicht. Die Fertigstellung der Sandsteinburg, oder besser gesagt, die Zeit um die Fertigstellung, war gräulich, schwer und zäh wie Moortreten - natürlich durchwirkt von Sprenkeln frischen Bunt(d)s - aber insgesamt doch sehr empfindlich, fragil und unsicher. Wie Moses im Binsenkörbchen vor langer, langer Zeit an ein Flussufer getrieben wurde (Sie erinnern sich? Aus dem wurde was!), spülte das Schicksal mir einen Dichter ins Bett. Ich hatte für sowas eigentlich weder Zeit noch Muse, doch das Leben ist ja bekanntlich kein Ponyhof. Ein Wunschkonzert vielleicht aber doch...

Ich bin froh, dass wir durchgehalten haben, dass wir recht hatten mit dem da ist mehr, das wir beide vom ersten Moment an gespürt hatten, als wir uns nach vielen Jahren, zum erstenmal - überhaupt-, begegnet waren. Nachdem vieles hingeschmissen werden wollte und zum Teil auch wurde ("ich bin kein Schriftsteller mehr, da brauchst du gar nicht so zu schauen, die Zeiten sind vorbei...und sagen brauchst du erst recht nichts mehr" hatten wir sicher fünfmal) hellte sich das Leben und Schreiben auf, begann zu fließen, hüpfte bisweilen, schlägt heute mitunter fröhliche Haken und schreitet würdevoll oder hält sicheren Stand - zumindest fühlt es sich so an und das ist, worauf es ankommt! Wir haben viel vor. Weltenbastler. Buchmacher. Würstchengaffer.

Mittwoch, 23. Mai 2012

1 plus 1 gibt viele Seiten

Es ist eine Wanderung über das Wörterfeld, einer Blumenwiese ähnlich. Die Blüten, die mir gefallen rupfe ich heraus und und binde sie zu einem kleinen Sträußchen.
Ganz andere Gebinde entstehen von diesem Herrn, der auch schön in den Startlöchern steht um die vorgewärmte Tastatur weiter zu rocken. Auf mich wartet der alte Mann und das Meer. Mit meinem 'Parallellektorat' werde ich erst heute Nacht beginnen, wenn ich die nötige Ruhe finde (passt ja auch zur Atmosphäre). Wir kamen gestern darauf, dass es keine schlechte Idee wäre, als wir uns fragten, weshalb wir die Boardmarker gekauft hatten, die noch recht ratlos herumliegen. Eine spannende Angelegenheit. Alles. Er. Ich. Wir und das Buch.

Ich hatte es fast erwartet

In Spanien hatte ich mich schon immer gerne betrunken. Cordelia mit ihrer gekränkten großen Liebe. Gestern im Waschraum dann die Wendung der aussichtslosen Lage. Das Briefkuvert, ziemlich rasch überlassen, bleich wie der Tod, enthielt zwei Tausender. Hollywood. Das Versäumte  in Verlegenheit bringen, die Wiederbelebung meiner Füße erkennbar.  Zwei Tausender. Ich wälzte mich unter dem Bett hervor, die verquollenen Augen auf den dicken Spaniel gerichtet. Nach einem wehmütigen Gedanken an die Bar, den Bourbon, kroch ich nackt zurück ins Bett. Sie schüttelte den Kopf, hatte das noch nicht begriffen. Unser Fortschritt schien halsbrecherisch. Sie hatte irgendeinen Schlamassel, der konsequent blieb. Nun hat sie ihre Strafe. Ihre Vermisstenmeldung am Straßenrand war eine wirkungslose Waffe - sie hatte zuviel gewollt.
Ich zog die Tür nur zu, um sie gleich wieder einen Spaltweit zu öffnen. In Wahrheit wollte sie meinen tödlichen Rückfall. Die Frau wollte ihr eigenes Leben nicht lernen. Hinter den Brillengläsern las ich keine Erleichterung, sondern eine neue Panik, schändlich, unabhängig. Deshalb bin ich nur ein kleines Würstchen, über einen längeren Zeitraum völlig durchgeknallt, triumphierend, dann obszön leise murmelnd, dass ich keine Lust, kein Interesse mehr hatte, ähnlich wie ein hartgesottener Beamter mit Beule am Hirn, der wenig zu beißen hat und ständig angemotzt wird, weil er das Karriere-Ding wächsern ignoriert. Ihre Kleider und ihr Puls wippten gleichmäßig, vermutlich prostituierte sie sich, hatte Triebtäter erlebt, lieferte nicht beim Zuhälter ab. Neun Monate trug eine Frau, hier ein trauriger Umstand. Sie stand unter Schock auf der Stufe, der Blick fest wie die Tischkante, gegen die der Beamte gestoßen war. Ein Schulterzucken, dann sah ich den Schalldämpfer. "Das war ein Psychopath". Sie stöhnte, lächelte und stieg nie wieder zu einem Freier ins Auto.

Dienstag, 22. Mai 2012

übermorgen klingt irgendwie unseriös

Kein beißender Rauch, keine unangenehmen Gerüche, es piekst nicht und schrillt auch nicht in den Ohren - aber es ist da! Was es ist, weiß ich nicht, doch es macht meine Welt schrumpfen, so dass von Milliarden kaum mehr zwei, drei Menschen übrig bleiben. Seis drum, es bleiben immerhin welche.
Gerade habe ich alle Empörung in mich gesogen, um den Orkan der Unglaublichkeit über die Köpfe fegen zu lassen, da knicken die Fähnlein, nur weil sie einen Wind um meine Mundwinkel vermuten. Das auch noch. Also Energiewende. Kurzer Plausch mit dem besten Hausarzt, zur Bücherei, heim. Klamotten runter. Nass, rein und wieder raus. Den Kopf gerade rücken. Einkaufen. Chicken Nuggets und Fritten. Cooldown. Morgen werde ich wieder ein bisschen basteln. Herrlich für mich, wie ein Dreikäsehoch im Wald durch die Literatur zu tappen und ein bisschen abseits der Wege zu tippe(l)n.
Auch der Liebste macht jetzt "Feierabend", wir treffen uns auf den Polstern unter der Decke.

Die Tonne steht seit vorvorgestern vor der Türe und wird nach wie vor übermorgen abgeholt. Prima!